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Wolfsspitz "Arras vom Scharfenstein"
Mittelspitz "Pino-Picobello vom Haus Kring"

Verein für Deutsche Spitze e.V. - Gruppe München

Die Geschichte der Gruppe München

Britta Schweikl

Abb. 1 (vor 1767)

Die ersten Spitze in München...

...sind das wohl nicht; aber die Bilder belegen, dass der Spitz im 18. Jahrhundert zum Münchner Stadtbild gehörte!

Abb. 1 zeigt das Wirtshaus “Zum Grünen Baum” im Münchner Stadtteil Lehel, gemalt vor 1767 von Joseph Stephan.

Hier legten die Flöße aus dem Oberland an, mit denen zahlreiche Güter angeliefert wurden. Rechts vorne im Bild sitzt ein weißer Großspitz, wie er typischer nicht sein könnte. Er hat die Ohren gespitzt und himmelt den Mann mit Uniform und Bierkrug an.

Ausschnitt aus Abb. 1

Abb. 2 (um 1800)

Abb. 2 zeigt den Münchner Buchverleger und Kunstsammler Johann Baptist Strobl (1748-1805). Zu seinen Füßen liegt ein weißer Spitz, dem nach damaliger Mode eine Löwenschur verpasst wurde.

Ausschnitt aus Abb. 2

Abb. 3 (um 1880)

Ein weiteres in Sachen Münchner Spitz-Historie interessantes Bild ist Abb. 3:

Das um 1880 entstandene Gemälde “Der Abschied” stammt vom Münchner Landschaftsmaler August Wilhelm Dieffenbacher und zeigt eine rührselige Szene vom Chiemsee – natürlich mit einem schönen weißen Großspitz (Ansichtskarte aus meiner Sammlung).

Anfänge der Spitzzucht in München

Schon im Jahr 1883 wurden in München auf einer Hundeschau 20 Spitze gezeigt. 1886 und 1892 waren es 15 bzw. 16, 1893 schon 29. In den ersten Zuchtbüchern, die der 1899 gegründete Verein für Deutsche Spitze vor dem 1. Weltkrieg herausgegeben hat, sind nur wenige Spitze aus München eingtragen. Aber die großen Zentren der Spitzzucht waren damals eben die Rheingegend, Württemberg, auch Norddeutschland und Berlin.

Der erste Münchner Spitz wurde mit der Nummer 292 eingetragen, es war das weiße Kleinspitzmädchen “Betty”, geworfen am 19.2.1905, im Besitz von Max Barth, Steinheilstr., München. Die Hündin hatte 1906 in Frankfurt einen 2., einen 1. und einen Ehrenpreis bekommen. Auch ein Sohn dieser “Betty” ist eingetragen, und zwar mit der Nr. 603, er hieß “Little Tourbillon”, gew. 16.4.1910, ein Nachkomme des berühmten weißen Spitzes “Prinz vom Kursaal”. Als Züchterin und Besitzerin ist Käthi Barth, Karlstr. 59, München, angegeben. Und schließlich gibt es auch noch von diesem “Little Tourbillon” ein registriertes Kind, nämlich “Nelly Tourbillon” mit der ZB-Nr. 1119 (gew. 2.8.1911), die in den großen Spitzzwinger “von der Friedens-Au” nach Berlin kam.

Die erste Spitzzüchterin in München mit offiziell geschütztem Zuchtstättennamen war eine Frau Anna Sedlmayr, die zwischen 1913 und 1918 mindestens 4 Würfe “vom Schwarzeck” züchtete. Sie besaß den Kleinspitzrüden “Prinz von Schwaben”, der etliche “1. und Ehrenpreise” einsammelte, unter anderem 1912 in Nürnberg und in Pasing, heute ein Stadtteil von München, in dem es also damals eine Hundeausstellung gegeben haben muss!

Große Spitze waren damals in München und Umland, zumindest in den offiziellen Zuchtbüchern, kaum vorhanden. Einzig Karl Dieterle, Gärtnereibesitzer in Olching, besaß den 1913 geworfenen schwarzen Großspitzrüden “Castor IX Spitzerlust” aus der Zucht des Dr. von Uhden. 1920 erwarb er die Wolfsspitzhündin “Erle am Ziel” und begann eine kleine Zucht, deren bekanntestes “Produkt” der Sieger “Alex von Olching” (gew. 1921) einer der Stammväter der heutigen Wolfsspitze wurde und damit den Namen der Ortschaft nordwestlich von München “verewigte”.

Bis in die 30-er und 40-er-Jahre gab es in München nur sporadisch Züchter von Kleinspitzen.

Am 11./12. 9. 1948, bei der ersten Münchner Hundeausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg und der ersten des Landesverbandes Bayern, war Georg Nußbaum aus München der Sonderleiter und Hete Heubner aus Bad Tölz die Richterin. Alleine 39 Wolfsspitze standen in Konkurrenz! Man findet hier die damals führenden Zuchststättennamen “vom Donaustrand”, “von der Paar” und “von der Ilm” im Katalog. Ein weißer Großspitz war ebenso vertreten wie 16 Kleinspitze (7 weiße, 6 schwarze, 2 braune, 1 blaugrauer).

Im Laufe der Jahrzehnte wurden in und um München immer Spitze gehalten, ein wirkliches Zentrum der Spitzzucht war hier jedoch nie, auch wenn sich einige Züchter durchaus einen Namen gemacht haben. Interessant ist, dass es zwischen 1950 und 1960 einige engagierte Züchter von weißen Kleinspitzen gab: Anna Schmid (“von Forstenried”), Maria Knoll (“vom Friedensengel”), beide München, und Georg Dichtl, Loholz (“vom Zauberwald”). Man züchtete aber auch braune Großspitze und Wolfsspitze (“vom Isartor”, “von der Pagodenburg”).

Die Gründung der Gruppe München

Sozusagen die “Geburtshelfer” der Gruppe München waren Klaus und Marianne Schneider, damals wohnhaft in Berg am Starnberger See. 1984 bzw. 1985 waren sie mit ihrem Wolfsspitzrüden “Alex von Aichen” dem Verein beigetreten. Ihre große Liebe galt und gilt aber den schwarzen Großspitzen, und so erwarben sie wenig später den tschechischen Rüden “Jasan Jachtar”, mit dem sie viele Ausstellungserfolge erzielten. Heute besitzen Klaus und Marianne wieder einen Wolfsspitz.

Die Landesgruppe Bayern hatte Mitte der 1980er-Jahre natürlich auch im Großraum München Mitglieder, und es war nicht immer einfach, insbesondere die noch weiter im Süden wohnenden Spitzfreunde gut zu betreuen. Eine Teilung der Landesgruppe in zwei Hälften wollte niemand, aber eine Ortsgruppe München konnte neue Möglichkeiten bieten. Vor allem der Vorsitzenden der LG Bayern, Emmi Schellberg, war ein “südlicher Kern” immer schon ein Anliegen gewesen, und nach mehreren vergeblichen Anläufen in früheren Jahren kamen nun einige Aktivitäten zusammen, bei denen sich die Mitglieder näher kennenlernen konnten.

Nach der ersten Wanderung in der Maisinger Schlucht 1984 traf man sich mehrere Male zu Stammtischen in Percha am Starnberger See bzw. in München-Riem. Die Idee einer Gründung einer eigenen Ortsgruppe wurde von allen Seiten positiv aufgenommen, und schon bald wurde das Ganze offiziell!

Am 23.5. 1985 kam die der LG Bayern unterstellten “Ortsgruppe München-Süd” zur Welt: im “Tutzinger Hof” in Starnberg wurde unter der Leitung des Hauptvorstandes, vertreten durch Herrn Machetanz, und der Landesgruppenvorsitzenden Emmi Schellberg, der neue Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Klaus Schneider, 2. Vorsitzender Ulrich Kreisel, Schriftführerin Marianne Schneider. Die Gruppe hatte nur 19 Gründungsmitglieder, aber schon in den darauffolgenden Monaten wurde durch Neueintritte und Gruppenwechsel aus der kleinen, feinen Truppe ein “richtiger Verein”: Ende 1986 waren es 29 Mitglieder, Ende 1987 dann 33.

Erste Höhepunkte der jungen OG waren eine Waldwanderung durch das Mangtal im Südwesten Münchens und Wanderungen nach Holzhausen bzw. durch das Leutstettener Moor sowie sommerliche Grillfeste im Garten von Marianne und Klaus – diese wurden im Laufe der Zeit zur guten Tradition, und wir erinnern uns noch gerne an die von Klaus zubereiteten unverwechselbaren Steckerlfische, das Kuchenbüffet und die einmalige Atmosphäre – auch wenn das Wetter nicht immer zu 100 % mitgespielt hat.

Rast bei einer Wanderung der Gruppe München

Die Teilnehmerzahlen bei allen Veranstaltungen stiegen stetig, und so kam man bei der Vorstandssitzung der LG Bayern am 13.12. 1987 überein, die Münchner als selbstständige “Gruppe München” (wie sie damit hieß) zu entlassen. Einige Diskussionen über die Abgrenzung zwischen den Gruppen waren dabei vorausgegangen, man einigte sich aber schließlich darauf, dass alle Mitglieder, die südlich einer durch Postleitzahlen definierten Linie etwa von Fürstenfeldbruck bis Simbach am Inn wohnten, auf die Möglichkeit des Gruppenwechsels aufmerksam gemacht werden sollten.

Die neue Gruppe wurde sofort mit der finanziellen und personellen Ausrichtung der CACIB-Schau in München betraut, die mittlerweile zu einem festen Programmpunkt in unserem Vereinsjahr geworden ist. Die Olympiahalle ist leider kein idealer Ort für eine Hundeausstellung, aber sie bietet die einzigartige Möglichkeit, unsere Vierbeiner einem breiten Publikum vorzustellen. Der Besucherandrang am Spitzring ist immer groß, es kommen auch viele Mitglieder, die nicht ausstellen wollen oder können, mit ihren Spitzen zum Zuschauen, und so mancher Spitzbesitzer ist durch die Münchner Hundeschau erst auf den Verein aufmerksam geworden.

In den letzten Jahren hatten wir Meldezahlen von 70 und mehr Spitzen, die aus dem In- und Ausland nach München kommen, um die begehrten Titel “Landessieger” bzw. “Landesjugendsieger Bayern” zu holen. Seit 2008 führen wir außerdem eine Spezial-Rassehundeausstellung durch. Die hohen Meldezahlen beweisen, dass Spitzfreunde aus Nah und Fern immer gerne zur Gruppe München kommen.

Die Gruppe München heute

Im Moment hat die Gruppe München etwa 75 Mitglieder. Die lokale Abgrenzung zur Gruppe Bayern wird locker gehandhabt – jeder kann entscheiden, ob er sich mehr Richtung Nürnberg oder mehr Richtung München verbunden fühlt.

Klaus Schneider war bis 2006 1. Vorsitzender der Gruppe München, er übergab das Amt dann aus gesundheitlichen Gründen an die bisherige Schriftführerin Britta Schweikl. Frau Schweikl war von 2006 bis 2011 Vorsitzende und Kassiererin. Schriftführerin und Zuchtwartin war in diesem Zeitraum Elke Wiedemann.

Dieser Vorstand wurde bei den Wahlen Im September 2011 wurde Elisabeth Kring zur 1. Vorsitzenden gewählt. 2. Vorsitzender ist Peter Deutschlaender, Schriftführerin ist Kerstin Deinböck und für eine hoffentlich immer gut gefüllte Kasse sorgt Fredy Wahry. Der Vorstand wird durch die Beisitzer Sylvia Seier und Michael Deinböck ergänzt. Frau Wiedemann und Frau Kring sind die engagierten Zuchtwarte der Gruppe München.

Ein Verein funktioniert aber nicht nur durch einen erfahrenen Vorstand, sondern vor allem durch seine Mitglieder! Ihnen ist es zu verdanken, dass der “Sparspitz” der Gruppe München immer gut gefüllt ist – das ist ein fast lebensgroßer schneeweißer Keramikspitz, der 1986 für günstige 85 DM bei einem Münchner Antiquitätenhändler gekauft wurde und, ganz außerhalb des Standards, mit einem Schlitz im Rücken versehen ist, dessen Bauch aber mindestens so viel Fassungsvermögen aufweist wie ein echter!

der berühmte Spar-Spitz der Gruppe München

In unserer Gruppe werden zur Zeit Wolfsspitze, Großspitze, Kleinspitze, Zwergspitze und Japan Spitze gezüchtet.

Viele unserer Spitze sind auf Hundeausstellungen sehr erfolgreich, andere machen im Hundesport mit, aber alle sind sie vielgeliebte Familienhunde, die besonders bei den friedlichen gemeinsamen Wanderungen ein wundervolles Bild abgeben und schon viel Bewunderung von Spaziergängern eingeheimst haben! Bei unseren Wanderungen erkunden wir die nähere und weitere Umgebung Münchens, dabei haben wir schon oft regelrechte Schmuckstücke der Heimat entdeckt.

Sommerfest und Weihnachtsfeier sind weitere Fixpunkte in unserem Vereinskalender – letztere mit der traditionellen Versteigerung. Und die hat auch eine kleine Geschichte: im Dezember 1988 wurde zum ersten Mal eine kleine Tombola organisiert. Leider gab es dabei sehr viele Nieten, aber manche stellte ihre Gewinne nochmals zur Verfügung, und Herr Schneider versteigerte diese gekonnt zugunsten der Spitzkasse! Seither machen wir es so, dass jeder einen oder mehrere Artikel zur Versteigerung mitbringt – was hat da nicht schon alles einen neuen Besitzer gefunden: von der kunstvollen Kerze bis zum Bierkrug, vom Plüschhund bis zum Reisefön, von der Spitzfigur bis zum Entsafter...

Wir bemühen uns, allen Interessen unserer Mitglieder gerecht zu werden und möchten Ansprechpartner sein für Züchter und alle, die es werden wollen, genauso wie für Spitzfreunde, die einfach nur ihren Hund lieben und diese Freude mit anderen teilen möchten.

So hoffen wir, dass auch in Zukunft recht viele Leute aus München und Umgebung dem Spitz die Treue halten oder “auf den Spitz kommen” und dass die Gruppe München für sie ein guter Ansprechpartner sein wird.